Protest der Künstlerin Frauke Schmidt-Theilig am Zaun der Pardemann-Villa in der Stahnsdorfer Ruhlsdorfer Straße 1
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Künstler protestieren gegen Stillstand bei Pardemann-Villa

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Mit Transparenten wollten Künstlerinnen und Künstler in Stahnsdorf darauf aufmerksam machen, dass seit Jahren nichts rund um die Pardemann-Villa in der Ruhlsdorfer Straße 1 geschieht – doch die Plakate hingen nur wenige Stunden, waren sie um 8 Uhr noch zu sehen, waren sie kurz vor 10 Uhr schon entfernt.

Der Grund für den Protest: Die Gemeindevertretung hatte beschlossen, dass das Gebäude an die kommunale WoGes (Wohnungsgesellschaft Stahnsdorf GmbH) übertragen wird, das sei aber nicht erfolgt, so Malerin Frauke Schmidt-Theilig. Das bestätigt auch die Aufsichtsrats-Vorsitzende der WoGes. Schmidt-Theilig hätte gerne einen kulturellen Standort darin gesehen, hatte auch für das Gebäude ein Gebot abgegeben, sich jedoch damit nicht durchsetzen können. 

“Nicht mal der Ansatz einer Idee” sei in den acht Jahren der zweiten Legislatur von Bürgermeister Bernd Albers für das Haus entwickelt worden, kritisiert Schmidt-Theilig. Es habe nur immer geheißen, es gebe kein Geld. “Gleichzeitig wurden Millionen-Projekte umgesetzt”, sagt sie und bezieht sich damit auf die fast 55 Millionen Euro Investitionen in Neubauten der Infrastruktur (Kitas, Schule, Feuerwehr, Sporthalle), die seit 2017 realisiert oder gestartet wurden. 

Haus verfällt seit 2016 immer mehr

Im März 2017 – also vor knapp sieben Jahren – hatte die Malerin gemeinsam mit den Neuen Kammerspielen Kleinmachnow im Sozialausschuss ein Konzept für ein Kunst- oder Kulturhaus an dem Standort präsentiert, um wieder Leben in die Ruhlsdorfer Straße 1 zu bringen. Die letzten Mieter waren 2016 aus dem Haus ausgezogen, das im Besitz der Gemeinde war und seitdem leer stand. Um zu zeigen, wie das Leben aussehen könnte, fand vor Ort ein “Art Event” statt, bei dem die Pardemann-Villa mehrere Wochen lang künstlerisch bespielt wurde. 

Ebenfalls im Sozialausschuss im März meldete die Kreisvolkshochschule (KVHS) Interesse an dem Gebäude an. Die Vorstellung, die KVHS von Kleinmachnow nach Stahnsdorf zu holen, würde Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) gefallen, so damals sein Pressesprecher Stephan Reitzig, der die Integration einer Galerie für Wechselausstellungen nicht ausschloss. Die Entscheidung würde aber die Gemeindevertretung treffen. 

Die Kosten für die Sanierung, damit das Haus im Erdgeschoss öffentlich und im Obergeschoss mit Wohnen genutzt werden könne, bezifferte er damals mit 550.000 Euro.

Verkauf an den Landkreis scheitert

In der Folge wurde noch vor der Sommerpause 2017 ein Verkaufsbeschluss gefasst: Das Haus sollte um 132.000 verkauft werden, da ein Kaufinteressent bereit stünde. Der Käufer – der Landkreis Potsdam-Mittelmark für die KVHS – hatte jedoch vor, das Haus abzureißen und einen Neubau zu errichten. Dazu wollte er auch das Nachbargrundstück erwerben. Dass zumindest die zum Stahnsdorfer Hof zeigende Giebelseite der Fassade erhalten bliebe, um ein besonderes Glasfenster zu retten, wie die Gemeinde das gerne gehabt hätte, schloss der Kreis aus. Sollte das zur Bedingung werden, würde der Kauf platzen – was er letztlich auch tat.

Protest der Künstlerin Frauke Schmidt-Theilig am Zaun der Pardemann-Villa in der Stahnsdorfer Ruhlsdorfer Straße 1
Künstler protestieren gegen den Stillstand rund um die Pardemannvilla.

Nun meldeten sich andere Interessenten, die das Haus um 132.000 Euro kaufen wollten – das wurde möglich, da der Käufer im Beschluss nicht genannt wurde. Eine davon war Frauke Schmidt-Theilig, die „im Namen der Kunst“ ein Angebot einreichte, das 1000 Euro über dem festgelegten Kaufpreis lag. Von Albers erhielt sie jedoch eine direkte Absage: Sie wurde von ihm aufgeklärt, „er würde die Villa sicher nicht an Private verkaufen“ und aufgefordert, „von weiteren Nachfragen abzusehen“.

Zurück an den Start und sehr offensive “Markterkundung”

Im November 2017 wurden schließlich alle Beschlüsse zum Verkauf aufgehoben, der Wert der Villa sollte neu ermittelt werden. Es hieß also “zurück zum Start”. Im Jahr darauf versuchte die Gemeinde erneut, das Haus zu verkaufen, nachdem sich ein Investor gemeldet hatte, scheiterte aber an den Gemeindevertretern im Finanzausschuss.

2021 wurde das Haus im Internet für ein Mindestangebot von 250.000 Euro zum Verkauf ausgeschrieben, woraufhin sich laut Verwaltung eine dreistellige Zahl an Interessenten meldete. Fünf Investoren durften sich mit ihren Ideen in den politischen Gremien vorstellten – nur, um dann, nach reichlich Zeitaufwand, festzustellen, dass es gar keinen Kaufbeschluss gab. Schließlich wurden für zwei Investoren Kaufvertragsentwürfe erstellt, von denen schließlich keiner unterzeichnet wurde. 

Die ganze Aktion wurde von der Verwaltung als “Markterkundung” kommuniziert, mit der Villa passierte nichts weiter. Der Sanierungsaufwand wurde von den Investoren mittlerweile auf 1,2 bis 1,5 Millionen Euro geschätzt.

Beschluss für Verkauf an die Woges

Im März 2022 beantrage die Fraktion Bündnisgrüne/Linke, dass das Gebäude über einen Pachtvertrag als Co-Working und Kreativ-Standort oder Vereinshaus ausgeschrieben wird, blieb aber ebenfalls damit erfolglos. 

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Schließlich wurde im Februar 2023, also vor einem Jahr, einstimmig mit fünf Enthaltungen, beschlossen, das Haus an die Woges zu verkaufen. Bedingung: Es muss für Wohnzwecke genutzt werden. Zwischenzeitlich war überlegt worden, nur einen symbolischen Euro als Kaufpreis zu verlangen, doch das war dann wieder aus dem Beschluss gestrichen worden, ebenso ein Veräußerungsverbot. Doch dieser Verkauf ist jetzt gescheitert.

“Ja, die WoGes will die Pardemann-Villa nicht”, bestätigt Ruth Bartels (Bürger für Bürger), Vorsitzende des WoGes-Aufsichtsrates gegenüber whatz-up.de auf Anfrage. Der Geschäftsführer habe sich dafür ausgesprochen, aber ein Kauf sei mehrheitlich abgelehnt worden. Die Gesellschaft habe den Auftrag, günstigen Wohnraum zu schaffen und ihre finanziellen Mittel seien begrenzt. Gerade habe sie noch ein ähnlich altes Gebäude übernommen und es seien zum Zeitpunkt der Abstimmung auch noch andere Projekte auf dem Plan gestanden, sodass es keine Mehrheit für den Kauf der Ruhlsdorfer Straße 1 gegeben habe.

Die Antwort der Gemeinde Stahnsdorf auf die Anfrage von whatz-up.de steht noch aus.